Vortrag: Stadt, Kritik und Utopie

Stadt, Kritik und Utopie

Vortrag und Diskussion mit Roger Behrens

Erstmals in der Geschichte leben über die Hälfte der Menschen in Städten, besagen neuere Statistiken. Sofern sich der Kapitalismus mittlerweile zu einer weltumspannenden Struktur verdichtet hat und die Wertvergesellschaftung längst globales Prinzip der Lebensordnung geworden ist, kann man davon ausgehen, dass es sich bei diesen Städten allesamt um kapitalistische Städte handelt: das scheint bei aller Unterschiedlichkeit ihr gemeinsames Fundament zu sein. Doch: was charakterisisiert überhaupt die Stadt im Kapitalismus als kapitalistische Stadt, was macht sie kapitalistisch? Und wie lässt sich eine Kritik der politischen Ökonomie auf die kapitalistische Stadt anwenden? Was könnte eine aktuelle kritische Theorie der Stadt sein, und in welchem Verhältnis steht sie zur Gentrifizierung, Stadtmarketing und Urbanismus? Schließlich: Wie sieht eine kommunistische Perspektive auf Stadt aus? Und welche Widersprüche oder Parallelen ergeben sich zu den gegenwärtigen gentrifizierungskritischen Bewegungen?

Roger Behrens ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift ‚Testcard – Beiträge zur Popkultur‘ und beschäftigt sich vor allem mit den Themen Kulturindustrie, Pop und Kritische Theorie.

30. Januar 2019 | 19 Uhr | Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

 
Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

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Räte gegen den Rat, Pläne gegen den Plan: Rätekommunismus als Überwindung des Linksradikalismus

Räte gegen den Rat, Pläne gegen den Plan: Rätekommunismus als Überwindung des Linksradikalismus
 
Vortrag und Diskussion mit Felix Klopotek
 
Eine konsequente Aufarbeitung der europäischen Räterevolutionen zwischen dem russischen Oktober und dem deutschen November fand nur an den Rändern der Arbeiter*innenbewegung statt: im rätekommunistischen Milieu. Die staatstragende Rolle der Sozialdemokratie – bis an die Grenze zum Faschismus – und die terroristische Politik der Bolschewiki wurden hier im Zusammenhang mit der Herausbildung des Monopolkapitalismus diskutiert, der Sinn der Räte einzig als Instrument der Selbstbefreiung der Arbeiterinnen und Arbeiter erkannt. Die Schriften von Anton Pannekoek, Otto Rühle, Paul Mattick oder auch Karl Korsch sprechen nicht mehr direkt zu uns, der Rätekommunismus ist, spätestens seit den 1950er Jahren, eine historische Strömung. Aber seine Radikalität, mit der er die bürgerlichen Deformationen der Arbeiter*innenbewegung einer Analyse unterzog, bleibt unabgegolten. Dieses Nicht-Erfüllte zu bestimmen und damit auch einen etwas anderen Blick auf den November 1918 zu werfen, ist Ziel des Vortrags. »Auf tausend Kriege kommen nicht zehn Revolutionen; so schwer ist der aufrechte Gang. Und selbst wo sie gelungen waren, zeigten sich in der Regel die Bedrücker mehr ausgewechselt als abgeschafft.« (Ernst Bloch)
 
Felix Klopotek lebt und arbeitet in Köln und ist Redakteur der Kölner StadtRevue und zudem Autor u.a. von Spex, Jungle World und konkret. Seit 2007 Herausgeber der Buchreihe »Dissidenten der Arbeiterbewegung« (Unrast Verlag Münster); Weitere Veröffentlichungen: »Zonen der Selbstoptimierung« (zusammen mit Peter Scheiffele), »Rätekommunismus« (im Rahmen der theorie.org Reihe).
 
23. Januar 2019 | 19.00 Uhr | Fachhochschule Dortmund, Sonnenstraße 96, Raum wird noch bekannt gegeben.
 
Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Vortrag: Fetischistischer Antikapitalismus – Zur Aktualität der Antisemitismuskritik Moishe Postones

Fetischistischer Antikapitalismus – Zur Aktualität der Antisemitismuskritik Moishe Postones

Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat

Moishe Postones Thesen zum Nationalsozialismus müssen vor dem Hintergrund der Jahrzehnte vorherrschenden linken Antisemitismusverharmlosung als Revolutionierung der materialistischen Antisemitismuskritik betrachtet werden. Seine von den Grundkategorien in Marx’ „Kapital“ ausgehende Dechiffrierung des modernen Antisemitismus als Hass auf das Abstrakte, seine explizite Unterscheidung von Antisemitismus und Rassismus und seine Analyse der nationalsozialistischen Vernichtungspraxis als Bruch mit der kapitalistischen Verwertungslogik und Herrschaftsrationalität haben ebenso Maßstäbe gesetzt wie seine Kritik an der deutschen Linken und einem sich progressiv wähnenden antikapitalistischen Ressentiment. Der Vortrag soll sowohl die Grundzüge von Postones Kritik als auch seine Rezeption in der deutschen Linken seit Beginn der 1990er-Jahre nachzeichnen und fragen, was seine Analyse des islamischen Antisemitismus als „fetischisierte, zutiefst reaktionäre Form von Antikapitalismus“ für ein Verständnis des Zionismus und die gegenwärtige Solidarität mit Israel bedeutet.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam und Research Fellow am Herzl Institute for the Study of Zionism and History der University of Haifa. Er ist Autor von „Fetisch & Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat & Kapital & die Kritik des Antisemitismus“ (ça ira 2007) sowie „Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung“ (Konkret 2014) und Herausgeber von „AfD & FPÖ. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder“ (Nomos 2017) sowie „Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel & Atomprogramm“ (Hentrich & Hentrich 2017).

15. Januar 2019 | 19.30 Uhr | Fachhochschule Dortmund, Sonnenstraße 96, Raum F212 (F-Gebäude, 2. Etage)

Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik Dortmund und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Vortrag: Volk statt Klasse? Populismus und ,Identität‘ als postmoderne Formen des Widerstandes

Volk statt Klasse? Populismus und ,Identität‘ als postmoderne Formen des Widerstandes

Vortrag und Diskussion mit Thorsten Mense

Seit einigen Jahren erleben wir ein massives revival des Identitätsbegriffs, besonders in rechten, aber auch in linken sozialen Bewegungen. ,Identität‘ ist derzeit das scheinbar erfolgreichste Konzept, sich als Instrument des Widerstandes gegen die Zumutungen des Kapitalismus zu präsentieren. Die Erfolge rechter PopulistInnen und NationalistInnen in den USA sowie in Europa gründen auf diesem Identitätsangebot und dem damit verbundenen Versprechen, Teil von etwas Größerem zu sein, was zugleich mit der Benennung von Schuldigen einhergeht: die Elite, die MigrantInnen, die Globalisierung. In Katalonien kann man derzeit besonders eindrucksvoll – hier z.T. unter linken Vorzeichen – die Mobilisierungsfähigkeit nationaler Identität beobachten, die alle sozialen Krisenproteste der letzten Jahre weit übersteigt. Warum sich nicht zuletzt auch das Proletariat eher als ,Volk‘, und nicht als Klasse betrachtet und aktuell vor allem rechtspopulistischen und neofaschistischen Parteien zuwendet, wird vor allem seit dem Erscheinen von Didier Eribons Buch „Rückkehr nach Reims“ wieder viel diskutiert. Die Antwort auf das Erstarken rechter Bewegungen besteht vielerorts darin, einen linken Populismus zu begründen. Er stellt eine Reaktion auf die politische Heimatlosigkeit der Unzufriedenen dar, die die Linke ratlos zurücklässt und welche die Rechte für sich zu nutzen weiß.

Aber auch der Linkspopulismus zieht – wie sein Pendant auf der rechten Seite – seine Stärke daraus, dass er nicht auf Inhalte und Gesellschaftskritik setzt, sondern auf ein identitäres Angebot und die falsche Gegenüberstellung von ,Volk‘ und Elite. Identität ist aber keine emanzipatorische Antwort auf den Kapitalismus und die durch ihn produzierte Ungleichheit und Unfreiheit. Ganz im Gegenteil ist das Bedürfnis nach kultureller und nationaler Identität gerade eine Folge der Ohnmacht und fehlenden Selbstbestimmung, die sich in der regressiven Sehnsucht nach natürlicher Gemeinschaft niederschlägt. Anstatt sich an solchen identitären Kämpfen zu beteiligen, sollte radikale Kritik sich damit beschäftigen, woher dieses identitäre Bedürfnis kommt – und was eine linke Antwort darauf sein könnte.

Thorsten Mense ist Soziologe, freier Autor und Journalist, tätig u. a. für die Wochenzeitung Jungle World sowie das Monatsmagazin Konkret. Studium der Politikwissenschaften in Heidelberg, Barcelona und Göttingen, Promotion in Hannover bei Detlev Claussen zur Kritischen Theorie des Nationalismus und linksnationalistischen Befreiungsbewegungen in Katalonien und im Baskenland. Mitglied des Forums für kritische Rechtsextremismusforschung (FKR). Wichtige Publikation: „Kritik des Nationalismus“.

06. Dezember 2018 | 19 Uhr | Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik Dortmund und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Workshop: Hegels Theorie der Bürgerlichen Gesellschaft

Hegels Theorie der Bürgerlichen Gesellschaft

Workshop mit Markus Gante

Der Abschnitt zur bürgerlichen Gesellschaft ist der wohl wirkmächtigste und bekannteste aus den ohnehin schon prominenten Grundlinien der Philosophie des Rechts Hegels. Angesiedelt zwischen Familie und Staat, stellt er den zweiten Abschnitt der Sittlichkeit dar. Sittlichkeit umfasst für Hegel die abgeschlossenen Formen der Verwirklichung von Freiheit innerhalb des objektiven Geistes, also der Sphäre der direkten Interaktion mehrerer Individuen. Sie ist nicht zu verwechseln mit Sitte, Ethos oder Moral, sondern soll das begrifflich konsequent entwickelte Resultat des Nachdenkens über Recht, Moral und Gesellschaft darstellen. Damit geht die Annahme einher, gesellschaftliche Phänomene ließen sich überhaupt innerhalb ihrer Eigengesetzlichkeiten verstehen und bildeten nicht nur eine Unterkategorie der Moralphilosophie.

Die bürgerliche Gesellschaft beschreibt innerhalb der Sittlichkeit die Sphäre, in welcher sich Privatpersonen mit dem primären Interesse ihrer eigenen Bedürfnisbefriedigung begegnen. Sie erscheint – und hier findet sich eine schlagkräftige Pointe gegen die neuzeitliche Vertragstheorie – als „der Kampfplatz des individuellen Privatinteresses aller gegen alle“ (GdPR § 289). Noch in die höchste begriffliche Entwicklung der Freiheit bricht eine, wenn auch schon etwas sublimere, Form des Naturzustandes ein. Eine der progressivsten Einsichten der Rechtsphilosophie besteht darin, dass die ökonomische Vermittlung der Privatpersonen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft notwendigerweise Armut produziert. Zwar meint Hegel, dass sie ihrer Eigenlogik nach auch Lösungen für diese Probleme bereitstellt, wie überzeugend selbige allerdings sind, soll Diskussionsgegenstand des Workshops sein.
Wir werden uns – nach einigen kurzen Passagen aus der Vorrede – den Abschnitt zur bürgerlichen Gesellschaft in gemeinsamer Lektüre erarbeiten. Vorkenntnisse sind hierfür nicht notwendig, freilich aber auch nicht schädlich.

Der Textkorpus wird in Form eines Readers bereitgestellt werden. Dieser kann per Mail unter ifg_dortmund@protonmail.com angefordert werden. Die Teilnahme ist kostenlos.

01. Dezember 2018 | 11-18 Uhr | Fachhochschule Dortmund, Sonnenstraße 96, Raum F212 (F-Gebäude, 2. Etage),

Der Workshop wird veranstaltet von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Vortrag: Der Staat des Kapitals und die Kritik der Politik

Der Staat des Kapitals und die Kritik der Politik

Vortrag und Diskussion mit Moritz Zeiler

Karl Marx plante im Rahmen seiner Kritik der politischen Ökonomie auch einen Band über den Staat. Bekanntlich konnte er dieses Vorhaben aber nicht mehr realisieren. Sein fehlendes Buch zum Staat beschäftigt seitdem die marxistische Linke, die in sehr unterschiedlicher Weise an die im Marxschen Werk verstreuten Fragmente über Staat und Politik anknüpfte. Eugen Paschukanis versuchte in den 1920ern in Allgemeine Rechtslehre und Marxismus als erster, basierend auf einer erneuten Lektüre des Kapital, einen Zusammenhang zwischen Warenform, Rechtsform und Staatsform zu formulieren. Nachdem Stalinismus und Nationalsozialismus diese Debatten brutal beendeten, wurden sie erst wieder Ende der 1960er, Anfang der 1970er von der Neuen Linken aufgegriffen. Johannes Agnoli bemühte sich in seinen Schriften, die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie um eine Kritik der Politik zu ergänzen. Seine Kritik des Parlamentarismus in Die Transformation der Demokratie war nicht ohne Einfluss auf die theoretisch interessierten Strömungen der damaligen außerparlamentarischen Linken.

Ein weiterer Versuch, an die Überlegungen von Paschukanis anzuknüpfen, war die Staatsableitungsdebatte. Trotz all ihrer Unterschiede einte die verschiedenen Debattenbeiträge eine Kritik der “Sozialstaatsillusion” und die Frage nach den Grenzen politischer Regulation der Ökonomie. Zu den Beteiligten zählten unter anderem Joachim Hirsch, der später mit seinem Begriff des nationalen Wettbewerbsstaats versuchte, Veränderungen von Staatlichkeit im Kontext der Globalisierung zu analysieren. John Holloway veröffentlichte englische Übersetzungen zentraler Debattentexte und entwickelte eine sehr spezielle Interpretation der Formanalyse des Staates. Seine Kritik der Politik ist zugleich ein Plädoyer für Selbstorganisation, inklusive Tendenzen zur Bewegungs- und Revolutionsromantik. Im Vortrag werden zentrale Fragen und Begriffe der marxistischen Diskussion um die Form des Staates skizziert. Anschließend soll diskutiert werden, ob die Überlegungen der Formanalyse zu einem besseren Verständnis aktueller Veränderungen von Staatlichkeit, Krisen von Ökonomie und Politik sowie linker Intervention beitragen können.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert. Veröffentlichungen: Materialistische Staatskritik. Eine Einführung, Stuttgart 2017 und gemeinsam mit der Bremer Initiative associazione delle talpe Herausgabe von Staatsfragen. Einführungen in die materialistische Staatskritik, Berlin

14. November 2018 | 19 Uhr | Fachhochschule Dortmund, Sonnenstraße 96, Raum A102 (A-Gebäude, 1. Etage)

Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Tagesseminar: Der Begriff der Entfremdung bei Lukács

Der Begriff der Entfremdung bei Lukács: Genese und (Selbst-) Kritik

Tagesseminar mit Andreas Giesbert

„Entfremdung“ gehört vielleicht zu den stärksten Schlagworten des Marxismus. Ob in linken Debatten oder sich kritisch gebärdender Kulturkritik im Feuilleton, die Diagnose „Entfremdung“ scheint ein ausreichendes Argument zu sein, um Phänomene der Moderne mit einem Handstreich zu kritisieren. Will man jedoch wissen, was es mit diesem ominösen Phänomen genau auf sich hat, wird man oft ohne befriedigende Antwort zurückgelassen. Vielleicht ist es gerade diese Unbestimmtheit des Begriffs, die den Vorwurf „Entfremdung“ so flexibel anwendbar macht. Seine Funktion war bereits in seiner Entstehungszeit die eines Scharnierbegriffs, um eine vermeintlich streng ökonomische Analyse mit kulturellen, psychologischen und sogar philosophischen Entwicklungen kurzzuschließen.

Das Tagesseminar soll an die Wurzel des Entfremdungsbegriffs gehen, indem sich die Entfremdungskonzeption von Georg Lukács näher angeschaut werden soll. Mit „Geschichte und Klassenbewusstsein“ hat der ungarische Marxist 1923 eines der Schlüsselwerke des sogenannten „Westlichen Marxismus“ vorgelegt und besonders prominent den Begriff der Verdinglichung eingeführt. In Bezug auf zeitgenössische soziologische Positionen, den Fetischcharakter der Ware und einzelne Frühschriften von Marx – jedoch ohne auf die erst 1932 veröffentlichten einschlägigen Abschnitte zur Entfremdung von Marx selber zurückgreifen zu können –, entwickelt Lukács mit dem Verdinglichungskonzept eine erste genuine Entfremdungskritik. Die sollte schnell auf fruchtbaren Boden fallen und hinterließ beispielsweise in den Analysen der Kritischen Theorie deutliche Spuren. Insbesondere der offen marxistische Ton unterscheidet Lukács dabei von den oft subtilen Kritiken von Adorno, Horkheimer oder Marcuse. So soll „in der Struktur des Warenverhältnisses“ nicht weniger als „das Urbild aller Gegenständlichkeitsformen und aller ihnen entsprechenden Formen der Subjektivität in der bürgerlichen Gesellschaft aufgefunden werden“, wie es bereits im Auftakt des Kapitels über die Verdinglichung heißt. Aus der Warenform soll ohne große Umwege das psychische Elend der Menschen unter dem taylorisierten Kapitalismus erklärt werden. Lukács wird Zeit seines Lebens an einer streng marxistischen Gesellschaftsanalyse festhalten. Gerade die führt ihn jedoch in späteren Jahren dazu, sein früheres Konzept scharf zu kritisieren. Im Anschluss an die Auseinandersetzung mit den wirkmächtigen Abschnitten aus „Geschichte und Klassenbewusstsein“ soll daher auch ein kurzer Blick auf seine Selbstkritik und sein deutlich nüchterneres, spätes Entfremdungskonzept geworfen werden.

Struktur

1) Einführung: Lukács und die Genese des Westlichen Marxismus
Auszüge aus Geschichte und Klassenbewusstsein: „Vorwort zur Neuauflage (1967)“ und „Was ist Orthodoxer Marxismus“
(Geschichte und Klassenbewusstsein: ; S.12-17; 35-53)

2) Hauptteil: Verdinglichung: Lukács‘ wirkmächtige Entfremdungskritik
„Die Verdinglichung und das Bewußtsein des Proletariats: I. Das Phänomen der Verdinglichung“ (Geschichte und Klassenbewusstsein: S.97-117)
Ergänzend: Fabian Kettner: „Georg Lukács‘ Theorie der Verdinglichung und die Verdinglichung der Theorie“ (http://www.rote-ruhr-uni.com/texte/kettner_verdinglichung.shtml)

3) Die Ontologie: Lukács‘ späte Selbstkritik:
„Die ontologischen Grundlagen“

Die Texte können als Reader bereit gestellt werden. Bei Bedarf schickt einfach eine Mail und wir senden euch die Auszüge zu: ifg_dortmund@protonmail.com

13.10.2018 | 11.00 – 19.00 Uhr | FH Dortmund, Emil-Figge-Str. 44 (!) | Raum 043

Das Seminar wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.