Vortrag: Das „Interesse am Körper“ und die Verinnerlichung gesellschaftlicher Herrschaft. Überlegungen zu Rationalisierung und Selbstoptimierung.

Das „Interesse am Körper“ und die Verinnerlichung gesellschaftlicher Herrschaft. Überlegungen zu Rationalisierung und Selbstoptimierung.

Vortrag und Diskussion mit Oswald Balandis

In der gegenwärtigen Gesellschaft kann sich kaum noch jemand des generalisierten Zwangs von Optimierungsanforderungen entziehen. Seien es allgegenwärtige Angebote von der Abrichtung des Körpers, betriebswirtschaftlich anmutende Ratgeber zur Organisation des Alltags, oder technische Apparaturen zur Dokumentation und Regulation von emotionalen Zuständen. Alle diese Selbstoptimierungspraktiken zeugen von einer gesellschaftlichen Praxis, in der sich Körper und Geist gesellschaftlichen, meist normierenden Anforderungen unterwerfen. Gleichzeitig wird dieser Zwang von vielen angenommen und freiwillig in das eigene Leben integriert. Bei genauerer Betrachtung der Anforderungen und ihrer Akzeptanz treten zwei Aspekte des Verhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft zu Tage: das der gesellschaftlichen Herrschaft sowie der Internalisierung dieser. Selbstoptimierungspraktiken sind Ausdruck gesellschaftlicher Rationalisierung, die sich in der psychischen Konstitution des Individuums als freiwillige und kontinuierliche Fahndung nach Rationalisierungspotenzialen am eigenen Körper und am eigenen Selbst niederschlagen; mit dem Ziel gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen zu können.

Ziel dieses Vortrags ist es, anhand von gesellschaftstheoretischen und psychoanalytischen Skizzen Aspekte einer kritischen Theorie des Subjekts in der gegenwärtigen Gesellschaft zu entwerfen.

Oswald Balandis ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum

06. Juni 2019 | 19.00 Uhr | Auslandsgesellschaft, Raum V2, Steinstraße 48, 44147 Dortmund

Der Vortrag wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

 

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Vortrag: Feminismus zwischen Antisemitismus und notwendiger Gesellschaftskritik

Feminismus zwischen Antisemitismus und notwendiger Gesellschaftskritik

Vortrag und Diskussion mit Kira Rudolph

Nicht erst seitdem die Queer-Theoretikerin Judith Butler, 2012, unter Protesten des Zentralrats der Juden, mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis ausgezeichnet wurde, gibt es Uneinigkeit in der Frage, inwiefern im Feminismus antisemitische Denkmuster reproduziert werden: vom Vorwurf „die Juden“ hätten das Ende des Matriarchats zu verantworten, über die Schuldlosigkeit deutscher Frauen an der Schoah, bis zur Konstruktion Israels als Manifestation der patriarchalen Ordnung.

Obskure Ideen, die die Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung als Feind im feministischen Kampf befeuern, ziehen sich bis heute durch die Geschichte des Feminismus. Frauen wird die Unfähigkeit zum Antisemitismus attestiert und Antizionismus wird vorausgesetzt, um sich als wahre Feministin bezeichnen zu dürfen.

Ziel dieses Vortrags ist es keinesfalls, feministische Ideen generell als antisemitisch zu verleumden. Stattdessen soll eine bedingungslose Kritik an antisemitischen Denkstrukturen im Feminismus gefördert werden, um den Deutungskampf innerhalb der feministischen Gesellschaftskritik voranzubringen.

Kira Rudoph studiert im Master Sozialwissenschaft an der Ruhr Universität Bochum

23. Mai 2019 | 19.00 Uhr | Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

Der Vortrag wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Vortrag: Verachtung und Romatisierung. Zur Sozialpsychologie der Romafeindlichkeit

Verachtung und Romatisierung. Zur Sozialpsychologie der Romafeindlichkeit

Vortrag und Diskussion mit Dr. Sebastian Winter

Zwei Merkmale, die alle Ressentiments gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit teilen, treten am Antiziganismus in besonderer Deutlichkeit hervor: Die Ambivalenz von Verachtung und Romantisierung gegenüber der stigmatisierten Gruppe und die Aktivität „von unten“, welche den Staat drängt, institutionelle und rechtliche Diskriminierungen auszuweiten. Die sich hier auch jenseits ihrer politischen Instrumentalisierung zeigende affektive Anziehungskraft des Ressentiments muss verstanden werden, um es bekämpfen zu können. Der hinter rationalisierenden Tiraden über Ängste, Überfremdung und Verschmutzung unbewusst gehaltene Hass verweist auf eine projektive Abwehr von Eigenem, dass als fremd erlebt und bekämpft wird. Die psychoanalytische Sozialpsychologie vermag diesen affektiven Untergrund des antiziganistischen Ressentiments gegen „die Gesetzlosen“, welche von „denen da oben“ beschützt werden, zu beleuchten.

Sebastian Winter ist Sozialpsychologe und forscht u.a. zur psychoanalytischen Sozialpsychologie von Gemeinschafts- und Feindbildungsprozessen.

3. Mai 2019 | 19.00 Uhr | Auslandsgesellschaft Dortmund, Steinstraße 48, Großer Saal

Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Veranstaltungsreihe: Zur Aktualität des Autoritären Charakters

Zur Aktualität des Autoritären Charakters

Veranstaltungsreihe vom 16.02 – 03.04.2019

Als in der Zwischenkriegszeit die erhoffte Revolution ausblieb und die Menschen sich in Scharen dem Faschismus zuwandten, suchten verschiedene Theoretiker hierfür eine Erklärung. Eine Antwort erhofften sich Intellektuelle wie Reich, Adorno oder Fromm durch eine Synthese von marxistischer Theorie und psychoanalytischer Sozialpsychologie. Ihre Überlegungen führten sie zur Analyse der kleinbürgerlichen Familie, die ihnen als zentrale Sozialisationsinstanz eines spezifischen Charaktertypus erschien: der autoritären Persönlichkeit. Die Theorie des autoritären Charakters schien ebenso geeignet für die Erklärung der Anfälligkeit der Massen für die faschistische Agitation wie für deren Anpassung an gesellschaftliche Verhältnisse, die ihren eigenen materiellen Interessen widersprachen. Diese Konzeption wurde schließlich in den im amerikanischen Exil entstandenen »Studies in Prejudice« einer empirischen Überprüfung unterzogen. Die wesentlichen Charaktermerkmale des Autoritären sind u.a. Konventionalismus, autoritäre Unterwürfigkeit gegenüber Mächtigen sowie autoritäre Aggression gegenüber Schwächeren. Dieser nimmt die gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse als unveränderliche Naturgegebenheiten wahr und nutzt diese Diagnose, um seine Schutzbedürftigkeit unter eine Autorität zu legitimieren. Da es eine narzisstische Kränkung bedeutet würde, wenn er sich diese Charakterzüge eingestehen würde, verdrängt er sie und projiziert sie auf äußere Feinde – vorzugsweise Jüdinnen und Juden, MigrantInnen und ‚Fremde‘. Auch in gegenwärtig agierenden nationalistischen, antisemitischen und rassistischen Bewegungen lässt sich diese ideologische Konstellation erkennen. Indes, die familialen Konstitutionsbedingungen wirken anachronistisch: der patriarchale Vater erscheint in der »vaterlosen Gesellschaft« (Mitscherlich) als Gespenst vergangener Tage und die Erziehungspraktiken haben sich in den letzten 100 Jahren deutlich gewandelt. Es stellt sich somit unweigerlich die Frage nach der Aktualität der Konzeption für die Analyse gegenwärtiger autoritärer Formierungen. Die Veranstaltungsreihe »Zur Aktualität des Autoritären Charakters« soll zur Diskussion hierüber anregen und zur Klärung beitragen.

Organisiert wird die Reihe von der Initiative für Gesellschaftskritik in Kooperation mit dem AStA der Fachhochschule Dortmund. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Über eventuelle Änderungen von Uhrzeiten und über die genauen Räumlichkeiten informieren wir auf diesem Blog sowie auf unserer Facebookseite.

Die Veranstaltungen im Einzelnen:
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Vortrag: Stadt, Kritik und Utopie

Stadt, Kritik und Utopie

Vortrag und Diskussion mit Roger Behrens

Erstmals in der Geschichte leben über die Hälfte der Menschen in Städten, besagen neuere Statistiken. Sofern sich der Kapitalismus mittlerweile zu einer weltumspannenden Struktur verdichtet hat und die Wertvergesellschaftung längst globales Prinzip der Lebensordnung geworden ist, kann man davon ausgehen, dass es sich bei diesen Städten allesamt um kapitalistische Städte handelt: das scheint bei aller Unterschiedlichkeit ihr gemeinsames Fundament zu sein. Doch: was charakterisisiert überhaupt die Stadt im Kapitalismus als kapitalistische Stadt, was macht sie kapitalistisch? Und wie lässt sich eine Kritik der politischen Ökonomie auf die kapitalistische Stadt anwenden? Was könnte eine aktuelle kritische Theorie der Stadt sein, und in welchem Verhältnis steht sie zur Gentrifizierung, Stadtmarketing und Urbanismus? Schließlich: Wie sieht eine kommunistische Perspektive auf Stadt aus? Und welche Widersprüche oder Parallelen ergeben sich zu den gegenwärtigen gentrifizierungskritischen Bewegungen?

Roger Behrens ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift ‚Testcard – Beiträge zur Popkultur‘ und beschäftigt sich vor allem mit den Themen Kulturindustrie, Pop und Kritische Theorie.

30. Januar 2019 | 19 Uhr | Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

 
Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Vortrag: Räte gegen den Rat, Pläne gegen den Plan: Rätekommunismus als Überwindung des Linksradikalismus

Räte gegen den Rat, Pläne gegen den Plan: Rätekommunismus als Überwindung des Linksradikalismus
 
Vortrag und Diskussion mit Felix Klopotek
 
Eine konsequente Aufarbeitung der europäischen Räterevolutionen zwischen dem russischen Oktober und dem deutschen November fand nur an den Rändern der Arbeiter*innenbewegung statt: im rätekommunistischen Milieu. Die staatstragende Rolle der Sozialdemokratie – bis an die Grenze zum Faschismus – und die terroristische Politik der Bolschewiki wurden hier im Zusammenhang mit der Herausbildung des Monopolkapitalismus diskutiert, der Sinn der Räte einzig als Instrument der Selbstbefreiung der Arbeiterinnen und Arbeiter erkannt. Die Schriften von Anton Pannekoek, Otto Rühle, Paul Mattick oder auch Karl Korsch sprechen nicht mehr direkt zu uns, der Rätekommunismus ist, spätestens seit den 1950er Jahren, eine historische Strömung. Aber seine Radikalität, mit der er die bürgerlichen Deformationen der Arbeiter*innenbewegung einer Analyse unterzog, bleibt unabgegolten. Dieses Nicht-Erfüllte zu bestimmen und damit auch einen etwas anderen Blick auf den November 1918 zu werfen, ist Ziel des Vortrags. »Auf tausend Kriege kommen nicht zehn Revolutionen; so schwer ist der aufrechte Gang. Und selbst wo sie gelungen waren, zeigten sich in der Regel die Bedrücker mehr ausgewechselt als abgeschafft.« (Ernst Bloch)
 
Felix Klopotek lebt und arbeitet in Köln und ist Redakteur der Kölner StadtRevue und zudem Autor u.a. von Spex, Jungle World und konkret. Seit 2007 Herausgeber der Buchreihe »Dissidenten der Arbeiterbewegung« (Unrast Verlag Münster); Weitere Veröffentlichungen: »Zonen der Selbstoptimierung« (zusammen mit Peter Scheiffele), »Rätekommunismus« (im Rahmen der theorie.org Reihe).
 
23. Januar 2019 | 19.00 Uhr | Fachhochschule Dortmund, Sonnenstraße 96, Raum A120 (A-Gebäude, 1. Etage)
 
Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.

Vortrag: Fetischistischer Antikapitalismus – Zur Aktualität der Antisemitismuskritik Moishe Postones

Fetischistischer Antikapitalismus – Zur Aktualität der Antisemitismuskritik Moishe Postones

Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat

Moishe Postones Thesen zum Nationalsozialismus müssen vor dem Hintergrund der Jahrzehnte vorherrschenden linken Antisemitismusverharmlosung als Revolutionierung der materialistischen Antisemitismuskritik betrachtet werden. Seine von den Grundkategorien in Marx’ „Kapital“ ausgehende Dechiffrierung des modernen Antisemitismus als Hass auf das Abstrakte, seine explizite Unterscheidung von Antisemitismus und Rassismus und seine Analyse der nationalsozialistischen Vernichtungspraxis als Bruch mit der kapitalistischen Verwertungslogik und Herrschaftsrationalität haben ebenso Maßstäbe gesetzt wie seine Kritik an der deutschen Linken und einem sich progressiv wähnenden antikapitalistischen Ressentiment. Der Vortrag soll sowohl die Grundzüge von Postones Kritik als auch seine Rezeption in der deutschen Linken seit Beginn der 1990er-Jahre nachzeichnen und fragen, was seine Analyse des islamischen Antisemitismus als „fetischisierte, zutiefst reaktionäre Form von Antikapitalismus“ für ein Verständnis des Zionismus und die gegenwärtige Solidarität mit Israel bedeutet.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam und Research Fellow am Herzl Institute for the Study of Zionism and History der University of Haifa. Er ist Autor von „Fetisch & Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat & Kapital & die Kritik des Antisemitismus“ (ça ira 2007) sowie „Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung“ (Konkret 2014) und Herausgeber von „AfD & FPÖ. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder“ (Nomos 2017) sowie „Iran – Israel – Deutschland: Antisemitismus, Außenhandel & Atomprogramm“ (Hentrich & Hentrich 2017).

15. Januar 2019 | 19.30 Uhr | Fachhochschule Dortmund, Sonnenstraße 96, Raum F212 (F-Gebäude, 2. Etage)

Die Veranstaltung wird organisiert von der Initiative für Gesellschaftskritik Dortmund und findet mit freundlicher Unterstützung des AStA FH Dortmund statt.